Die Motoren knurren lauter und das Gestell vibriert – hört sich nicht nach dem ganz großen Komfort an. Aber egal. Denn der alte Setra-Bus bietet dafür etwas, was es heute kaum noch gibt: Gemütlichkeit, Nostalgie und ein Stück Langsamkeit. Beim Niederrheintreffen der Setra-Fahrer vom 3. bis 5. Oktober auf dem Wohnmobilpark in Rheurdt wird wieder geschraubt, gequatscht und Erfahrung ausgetauscht.

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Einmal Setra-Fan – immer Setra-Fan. Rund 10 bis 15 Busse durchqueren beharrlich den Niederrhein und die anliegenden Bundesländer. Mehr als 400 sind es bundesweit. Die Busse sind über 30 Jahre alt, manche rollen sogar schon seit 50 Jahren durch die ­Region. Wenn ein Setra vorbeifährt, guckt jeder unwei­gerlich dem Bus hinterher. Diese Optik mit der fließenden Karosserie, den verschiedenen Farben hat einfach was Individuelles, Einmaliges.

Individualisten sind auch die Besitzer der Setra-Busse. Sie teilen die gleichen Freuden, aber auch Leiden. „Die individuellen Möglichkeiten in Gestaltung und Freiheit, gepaart mit der Schönheit eines Oldtimers lassen jeden träumen", schwärmt Setra-Besitzer Hans Ulrich Perret. Doch die Hürden der Fahrerlaubnis, aber auch die Tatsache, dass man nun einen „alten" Veteranen als Begleiter hat, „bringt jeden auch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück." Es sei toll, einen alten Bus zu haben, „doch man muss sich auch mit Rat und Tat dazu bekennen", so Perret. „Aber die Begeisterung ist ungebrochen."

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Den fertigen Bus gibt es nicht

Irgendwie gehört ein Setra auch mit zur Familie. „Es sind alte Omas und Opas als Reisebegleiter. Man muss mal eine Pause einlegen und eine kleine Reparatur vornehmen, aber wir kommen immer an und zurück", sagt Perret. Bezahlbar sind die Reparaturen, allerdings um ein vielfaches teurer, wenn der Besitzer nicht selber Hand anlegt. Ein Engagement also, das sich am Ende lohnt: „Unsere Busse sind langlebig und vertrauenswürdig." Aber klar, einen „fertigen" Oldtimerbus gibt's nicht …

Wie viel ein Setra-Bus kostet, lässt sich kaum genau beziffern. Perret bezahlte für sein Gefährt 4.000 Euro und fährt ihn seit sechs Jahren, in der er allerdings 10.000 Euro investierte. Bereut hat es Perret nie. „Unsere Kinder schwärmen von den vergangenen Urlauben." Denn die Busse bedeuten eine tolle Zeit nach den eigenen Wünschen und nicht nach vorgegebenen Umständen in Hotels und Ferienhaussiedlungen. „Ich bin mir sicher, in 10 bis 20 Jahren werden meine erwachsenen Kinder wieder dem Fieber erliegen."

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Wundertüte Motorhaube

Gemeinsam fiebern werden die Fans wieder beim Niederrheintreffen. „Sie setzen sich gerne zusammen", so Perret. Und das kann auch mal an einem viele Meter langen Tisch sein. „Und wenn jemand beim Treffen seine Motorhaube öffnet, zieht er wie ein Magnet alle Fahrer an. Da können auch schon mal zwei Stunden ins Land gehen." Das jährliche Setra-Treffen ist zu einem kleinen Dorffest geworden – zu dem jeder eingeladen ist.

Michael Vehreschild